Die Welt braucht Yoga - die Kirche auch

Vier Männer und vier Frauen der Bibel bringen das Leben in Balance.
Bildrechte: Thomas Schreiber

Yoga und Biga - Gesundheit von Mensch & Welt

Am 11. Dezember 2014 wurde Modis Wunsch Wirklichkeit: Der indische Premierminister hatte sich bei einer Rede vor den Vereinten Nationen (UNO) dafür eingesetzt, Yoga mit einem internationalen Tag zu ehren. Dabei standen zwei Ziele im Vordergrund: die gesundheitsfördernden Effekte von Yoga bekannter zu machen und die Yoga-Praxis zur „Förderung der Gesundheit der Weltbevölkerung“ zu verbreiten. Am 21. Juni 2015 sorgte dann der erste International Day Of Yoga für weltweite Aufmerksamkeit. 84 Nationen beteiligten sich. Mehr als 35.000 Menschen feierten gemeinsam mit Premierminister Modi öffentlich Yoga – für die Gesundheit von Mensch und Welt. Der 21. Juni als Weltyogatag erinnert seitdem an die Einheit von Körper und Geist und dient als Zeichen der Gemeinschaft aller Menschen und des Friedens in schwierigen Zeiten.

Die Welt braucht Yoga. Ich nenne dazu drei Gründe:

1. Yoga ist gut für den Körper. Als Beispiel seien unsere Rückenschmerzen genannt, die inzwischen als Volksleiden gelten. 70 Prozent der Deutschen sitzen zu viel oder bewegen sich zu wenig. Dies führt zu einer schwachen Muskulatur. Haltungsschäden und Verschleißerscheinungen in den Gelenken sind die Folge. Verspannungen sind vorprogrammiert. Yoga gleicht Fehlhaltungen aus, indem es die Muskulatur des gesamten Körpers stärkt, dehnt und lockert. Yoga baut Stress und damit Verspannungen ab. Durch die verbesserte Durchblutung werden eingerostete Gelenke wieder optimal mit Nährstoffen versorgt.

2. Yoga ist gut für den Geist. Als Beispiel sei hier das Wort „Stress“ genannt. 60 Prozent der Deutschen fühlen sich gestresst, ergab eine Umfrage der Techniker Krankenkassen. Wer gestresst ist, fühlt sich ausgeliefert, überfordert, wird schneller krank, ist gereizt, hat insgesamt weniger Freude am Leben und ist auch für seine Umgebung kein Spaß. Yoga ist anerkannterweise die beste Bewegungsart, um Stress abzubauen. Durch tiefes, langsames Atmen wird der Parasympathikus aktiviert, was die Nerven beruhigt. Meditationen verlangsamen das Gedankenkarussell und helfen dabei, sich zu fokussieren. Bewegung baut Stresshormone ab.

3. Yoga ist gut für das Handeln. Als Beispiel sei die Achtsamkeit genannt. Die Konzentration auf die Bewegungen im Einklang mit dem Atem helfen dabei, vom Innen wieder nach Außen zu gehen, vom Fühlen zum Denken, vom Sich Sammeln zum Sich Äußern – gestärkt für meine Aufgaben, in der Familie, im Beruf oder für das, was jetzt gerade ansteht.

Die Kirche braucht Yoga

Auch die Kirche braucht Yoga – davon ist unser neues Konzept „Biga“, also „Bibel ganzheitlich erleben“ überzeugt. Die unterschiedlichen Asanas sind gut für den Körper, den Geist, das Handeln und für eine ganzheitliche Erfahrung mit Gott. „Als mein Herz verbittert war und ich einen stechenden Schmerz in den Nieren spürte, da war ich ein Narr“, so drückt es der Psalmist aus (Psalm 73,21f.) „Nicht ich habe einen Leib, sondern ich bin Leib, so formuliert es der Theologe Rudolf Bultmann. Alles, was wir tun, tun wir als Körper. Wir denken, fühlen und begreifen mit dem Körper. „Das Wort Gottes mit Körper, Geist und Seele erlebbar machen – das ist Biga“, so beschreibt es Dr. Andrea König vom forum frauen in dem Buch „Die Bibel sportlich nehmen“, das vor kurzem im Buchhandel erschienen ist.

Der Dominikanermönch Meister Eckhart (1260-1328), der später großen Einfluss auf Luthers Denken haben wird, lebte und lehrte einen Lebensrhythmus von Innen und Außen. In unserer Tiefe gibt es einen göttlichen Kern, der unantastbar ist, war Meister Eckhart überzeugt. Dieses im Menschen angelegte Urvertrauen befähigt ihn, an seiner Persönlichkeit und an seinen Beziehungen zu arbeiten. Dieser „Gott in uns“ (1. Joh. 4,12) befreit zum Dasein-Können und zum Wirken in der Welt. Der Mensch verharrt also nicht in der Innenschau, sondern lässt dem Rückzug einen engagierten Einsatz für die Schöpfung und für den Mitmenschen folgen.

Nichts anderes lag übrigens Premierminister Modi am Herzen, als er den Weltyogatag ins Leben ruf. Auch Christen setzen sich ein für die Gesundheit von Mensch und Welt. Ich werde deshalb heute den 21. Juni feiern, nicht nur, aber auch auf der Yoga bzw. Biga-Matte, als sportliches Zeichen der Gemeinschaft aller Menschen und des Friedens in schwierigen Zeiten.

21.06.2021, Günter