#GameChanger - 10. März Equal Pay Day 2021

"GameChanger" - (c) Bansky
Bildrechte: (c) Bansky

Ein kleiner Junge in Latzhose, der auf dem Boden kniet und mit einer Puppe spielt. Die Puppe: Eine Krankenschwester mit Mund-Nasen-Schutz. Daneben: Ein Papierkorb, in dem sich zwei weggeworfene Puppen befinden: Batman und Spider-Man. Die Krankenschwester hat nun offensichtlich im Spiel die Rolle der Superheldin eingenommen. Die Szene ist ein Gemälde des britischen Street-Art Künstlers Banksy und es trägt den Titel "Game Changer".

Das englische Wort "Game Changer" setzt sich zusammen aus "Game" – deutsch: Spiel und "Changer" – deutsch: Wechsler. "Change" wird im Deutschen sinngemäß mit "Veränderung" wiedergegeben. Die Verwendung des englischen "Game Changer" in der deutschen Sprache ist in vielen Bereichen zwischenzeitlich sehr beliebt. Einerseits wohl, weil es sich in seiner umfassenden Bedeutung nicht ganz übersetzen lässt. Andererseits sicher, weil sich die Bedeutung schnell erschließt:  "Game" heißt Spiel und ein Spiel findet mit Regeln statt. "Game Change" heißt: Regeln werden verändert.

In diesem Jahr ist die Kampagne zum Equal Pay Day mit dem Motto "Game Changer – Mach dich stark für equal pay!" überschrieben.

Der Equal Pay Day ist ein internationaler Aktionstag für die Entgeltgleichheit zwischen Frauen und Männern. 1966 wurde er in den USA ins Leben gerufen, 2008 auch in Deutschland erstmals als Kampagne durchgeführt. 2021 fällt der Equal Pay Day auf den 10. März. Das Ziel der Kampagne ist es, vor allem die Ursachen für die Ungleichheit in den Blick zu nehmen. Denn -  wie auch immer die statistischen Zahlen, sei es nach unbereinigter oder bereinigter Entgeltlücke berechnet werden - Fakt ist: Frauen verdienen deutlich weniger als Männer und Deutschland hat im Vergleich in Hinblick auf den EU-Durchschnitt Nachholbedarf.

Die Ursachen sind komplex. Einerseits finden sich bei Frauen mehr Unterbrechungen in Berufsbiographien z.B. durch Familien- oder Betreuungszeiten, zudem arbeiten mehr Frauen in prekären Beschäftigungsverhältnissen, in Teilzeit und/oder in Berufsbranchen mit niedrigen Entgelten und langfristigen Folgen wie drohender Altersarmut. Andererseits wird diese Lücke auch durch Faktoren beeinflusst, die sich nicht nachweisen lassen, wie etwa Präferenzen oder auch Verhandlungsstrategien bzgl. Gehaltsgesprächen. Doch, was auch immer die Gründe, nachweisbar oder nicht sein mögen, es ließe sich auf jeden Fall deutlich mehr bei den nachweisbaren Ursachen verbessern, wie z.B. bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Mitten in der Pandemie bekommt der Equal Pay Day jeodch nochmals eine besondere Relevanz. Die Corona-Krise könnte tatsächlich ein echtes Umdenken bewirken. Denn: Wann, wenn nicht jetzt, ist die Zeit für Veränderungen?

In vielen Bereichen liegt es nicht an den Frauen, an ihren Qualifikationen oder daran, dass sie schlecht verhandeln. Oftmals sind es die Rahmenbedingungen, überholte Rollenbilder oder schlichtweg Diskriminierungen. Der Role-Model-Effekt greift zu wenig und bringt die Masse nicht voran. Klar gibt es ausgewählte Frauen, die in Führungspositionen sind und von Mentoringprogrammen profitieren - und natürlich gibt es gut funktionierende Frauennetzwerke. Dennoch: Von echter Diversität sind wir in Bezug auf Geschlecht, Alter, Hautfarbe, Inklusion, Herkunft in Deutschland noch sehr weit entfernt.

Einiges hat sich verbessert. Vieles jedoch gar nicht so sehr. Vor allem nach der Elternzeit stehen etliche Frauen immer wieder vor ähnlichen Herausforderungen. Für nicht wenige ist der Wiedereinstieg in den Beruf holprig, das Leben in Corona Zeiten mit Homeoffice und Homeschooling anstrengend, die Karriere gerät ins Stocken, Beziehungen leiden. Das hat nicht ausschließlich persönliche Gründe, wie manche Frauen sich selbst einreden, sondern strukturelle. Mangelnde Flexibilität der Arbeitsstrukturen, fehlende Wertschätzung für das Anliegen von Familien und Kindern, ungenügende Kinderbetreuungsmöglichkeiten u.v.m. Hinzu kommt das Aushandeln innerhalb von Partnerschaften und Familien. Genau darauf sollte in diesem, aber auch zukünftigen Jahren ein besonderes Augenmerk liegen: Care-Arbeit. Sie bildet – bezahlt und unbezahlt – die Grundlage für Gleichberechtigung und Chancengerechtigkeit. Daher ist neben der ungleichen Bezahlung vor allem auch der Gender Care Gap wichtig, der den Zeitaufwand beschreibt, den Frauen und Männer für unbezahlte Sorgearbeit aufbringen. Hier einen Wandel zu schaffen, ist weder einen Frauenthema noch kann es allein durch Gesetze bewirkt werden. Die Gesamtgesellschaft ist gefragt und es braucht vor allem eins: Umdenken.

Gender Pay Gap, Gender Care Gap, Gender Part-Time Wage-Gap, Pension Gap – wie auch immer wir diese Herausforderungen benennen: Die dahinterstehende Frage, die alle Anliegen eint, ist die Frage danach, wie wir als Gesellschaft leben wollen. Bleibt Zeit fürs Ehrenamt? Wie gehen wir mit der nächsten Generation um? Wohin mit den Eltern, wenn sie gebrechlich werden und auf unsere Hilfe angewiesen sind? Das Thema Care dringt seit geraumer Zeit und durch Corona stärker ins öffentliche Bewusstsein – auch dank Kampagnen wie Equal Pay Day und Equal Care Day. Notwendige Veränderungen, die Einzelne nicht alleine voranbringen können, müssen gemeinsam angegangen werden. Es bleibt zu hoffen, dass die Corona-Krise nicht nur Probleme aufzeigt, sondern auch dazu führt, dass die Fragen des Lebens und Zusammenlebens wieder neu diskutiert werden. Gleichberechtigte Teilhabe ist weder ein Frauen- noch ein Familienthema. Es ist Zeit für eine gerechte Gesellschaft.

Let's change the game!

 

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